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Stabile Faktor-VIII-Expression bei Hämophilie A durch lentivirale Gentherapie

Srivastava A et al., 30. Januar 2025 - Die lentivirale Gentherapie beschreibt ein Verfahren zur dauerhaften Einschleusung gesunder Erbinformationen mittels veränderter viraler Vektoren nach entsprechender genetischer Modifikation. Srivastava et al. haben vor diesem Hintergrund die lentivirale Gentherapie mit hämatopoetischen CD34+-Stammzellen bei Hämophilie A untersucht und kommen nach Durchführung einer monozentrischen Studie zu einem positiven Ergebnis.
Aufgeschlagenes Buch - darüber schwebende Illustrationen mit Medizinbezug
Autor*in Studienreferat
Dipl.-Psych. Annika Simon, Braunschweig

Publikationsdatum
28. Oktober 2026 (online)

Originalpublikation
Lentiviral Gene Therapy with CD34+ Hematopoietic Cells for Hemophilia A

Fazit

In dieser monozentrischen Studie mit 5 Patienten mit Hämophilie A ging eine Gentherapie mittels lentiviral transduzierter autologer hämatopoetischer Stammzellen mit einer stabilen Faktor-VIII-Expression einher. Obgleich Langzeitdaten noch ausstehen, bilde die lentivirale Gentherapie somit eine machbare, sichere und effektive Alternative zur AAV-Gentherapie mit Nutzung adenoassoziierter Viren (AAV) als Transportvehikel bei Vorliegen von Kontraindikationen.

Schwere Formen der Hämophilie A werden in der Regel mittels Substitution von Faktor VIII oder durch die Gabe hämostatischer Präparate zur Prävention oder dem akuten Management von Blutungen therapiert. Da trotz neuer Möglichkeiten im Rahmen der modernen Forschung bislang keine Daten zur Machbarkeit, Sicherheit und Wirksamkeit einer lentiviralen Gentherapie zur Behandlung der schweren Hämophilie A vorliegen, haben Srivastava et al. die Ergebnisse einer monozentrischen Studie mit 5 Patienten publiziert.

Dabei erhielten die Teilnehmenden im Alter zwischen 22 und 41 Jahren mit Diagnose einer schweren Hämophilie A ohne Inhibitoren die Transduktion autologer hämatopoetischer Stammzellen mit einem lentiviralen Vektor (LV), der ein neuartiges F8-Transgen (ET3) unter der Kontrolle eines myeloidspezifischen CD68-Promoters (CD68-ET3-LV) enthielt. Nach Aufteilung der Patienten in 2 Gruppen erfolgte die Transduktion in Gruppe 1 entweder ohne oder in Gruppe 2 mit Einsatz eines Transduktionsverstärkers im Anschluss an eine myeloablative Konditionierung.

Als primäre Endpunkte definierte das Forschungsteam die Sicherheit der Gentherapie sowie die Machbarkeit mit Fokus auf eine erfolgreiche Transduktion. Sekundäre Endpunkte waren ferner u. a. die Faktor-VIII-Aktivität im Zeitverlauf, die Dauerhaftigkeit der Expression sowie die Reduktion der jährlichen Blutungsrate.

1.1 Jährliche Blutungsrate von 0

Vor der Gentherapie zeigten die teilnehmenden Patienten Blutungsraten zwischen 20 und 120 pro Jahr. Die bisherige Behandlung umfasste in allen Fällen eine episodische Therapie mittels Faktorsubstitution. Die Dosierung der autologen und CD68-ET3-LV transduzierten hämatopoetischen XD34+-Stammzellen erfolgte in Anlehnung an das jeweilige Körpergewicht mit Vektorkopienzahlen im finalen Arzneimittelprodukt zwischen 1,0 bzw. 0,6 Kopien pro Zelle bei Patienten der Gruppe 1 sowie von 1,5, 0,6 bzw. 2,2 Kopien pro Zelle bei den 3 Teilnehmenden der Gruppe 2.

Mit Blick auf die Sicherheit beobachtete das Forschungsteam Neutropenien mit Dauern zwischen 7 und 11 Tagen sowie schweren Thrombozytopenien mit einer Dauer zwischen einem und 7 Tagen. Bei einer kumulativen Nachbeobachtungszeit von 81 Monaten mit einem Median von 14 Monaten lag die jährliche Blutungsrate bei allen 5 Patienten bei 0. Darüber hinaus betrug der mittlere Faktor-VIII-Aktivitätsspiegel im Zeitraum zwischen dem 28. Tag und dem letzten Nachbeobachtungstermin 5,2 und 1,7 IE/dl bei den beiden Patienten der Gruppe 1 sowie zwischen 19,3 und 39,9 IE/dl bei Teilnehmenden der Gruppe 2 in Kombination mit einer insgesamt stabilen Faktor-VIII-Expression.

Die Autor*innen ziehen daher ein positives Fazit zur Machbarkeit, Sicherheit und Wirksamkeit der lentiviralen Gentherapie bei Patienten mit schwerer Hämophilie A. Obgleich diese Studie – nicht zuletzt aufgrund der geringen Teilnehmerzahl – verschiedenen methodischen Limitierungen unterliegt und Langzeitdaten natürlich noch ausstehen, handelt es sich bei der lentiviralen Gentherapie um eine potenzielle Alternative nicht nur zur klassischen Substitutions- oder Bypasstherapie, sondern ebenfalls zu bisherigen Gentherapien mit Adenoviren als Vektoren im Fall einer Kontraindikation.