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Hämophilie A im Kindesalter: Efanesoctocog alfa beugt Blutungen vor

Malec L. et al., 18. Juli 2024 - Menschen mit Hämophilie A benötigen mehrmals pro Woche Faktor-VIII-Infusionen. Grund für die häufigen Gaben ist die relativ kurze Halbwertszeit des physiologischen Bindungspartners Von-Willebrand-Faktor (VWF). Efanesoctocog alfa ist ein von endogenem VWF entkoppeltes rekombinantes Faktor-VIII-Produkt, das verzögert abgebaut wird und daher nur einmal pro Woche verabreicht werden muss. Nun liegen Behandlungsdaten bei Kindern vor.
Aufgeschlagenes Buch - darüber schwebende Illustrationen mit Medizinbezug
Autor*in Studienreferat
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell

Publikationsdatum
10. Dezember 2024 (online)

Quelle
Lorenz J. Hämophilie A im Kindesalter: Efanesoctocog alfa beugt Blutungen vor. Pädiatrie up2date 2024; 19(04): 272 – 274. doi:10.1055/a-2415-9261

Originalpublikation
Malec L. et al. Efanesoctocog Alfa Prophylaxis for Children with Severe Hemophilia A. N Engl J Med 2024 Jul 18;391(3):235-246

Fazit

Die XTEND-Kids-Studie kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie die XTEND-1-Studie, so die Forschenden: Efanesoctocog alfa schützt Kinder mit schwerer Hämophilie A wirksam vor Blutungsereignissen. Bei guter Verträglichkeit gewährleistet der Wirkstoff über 3 Tage eine (nahezu) normale Faktor-VIII-Aktivität. Die einmal wöchentliche Gabe reduziert die Therapiebelastungen und hat das Potenzial, die Gelenkgesundheit der Betroffenen langfristig zu erhalten, betonen sie.

Die XTEND-1-Studie belegte, dass wöchentliche Gaben von Efanesoctocog alfa Erwachsene und Kinder ab dem Alter von 12 Jahren, die an einer schweren Hämophilie A leiden, besser vor Blutungsereignissen schützen als eine herkömmliche Prophylaxe mit Faktor-VIII-Präparaten, berichten die Forschenden. Zudem sorgten die wöchentlichen Infusionen über mehrere Tage für eine normale bzw. nahezu normale Faktor-VIII-Aktivität. Die internationale XTEND-Kids-Studie prüfte nun die Sicherheit, die Wirksamkeit sowie die Pharmakokinetik von Efanesoctocog alfa an einem Kollektiv von 74 Jungen im Alter unter 12 Jahren. Alle litten an einer schweren Hämophilie A und standen unter einer regelmäßigen Behandlung mit Faktor-VIII-Produkten. Alle Kinder erhielten über 52 Wochen eine Blutungsprophylaxe in Form wöchentlicher Efanesoctocog-alfa-Infusionen. Den primären Studienendpunkt bildete das Auftreten neutralisierender Antikörper gegen Faktor VIII. Weiterhin objektivierten die Forschenden unter anderem die Rate behandlungsbedürftiger Blutungen pro Jahr, die Therapie der Blutungsereignisse, die Sicherheit der Infusionsbehandlung sowie die Pharmakokinetik von Efanesoctocog alfa.

 

Ergebnisse

38 Kinder waren jünger als 6 Jahre und 36 waren zwischen 6 und < 12 Jahre alt. 72 Patienten (97 %) absolvierten die gesamte Studienintervention. Keiner der Jungen entwickelte unter der Behandlung mit Efanesoctocog alfa neutralisierende Faktor-VIII-Antikörper. 84 % der Patienten erlitten im Rahmen der Infusionsbehandlung unerwünschte Ereignisse. Dabei handelte es sich in der Mehrzahl der Fälle um nicht schwerwiegende Ereignisse. Keines der schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse führen die Studieninitiatorinnen und -initiatoren auf die Studienmedikation zurück. Bei keinem Kind musste die Behandlung aufgrund unerwünschter Ereignisse unterbrochen werden. Die Analyse zur Wirksamkeit der Behandlung ergab: Die mediane annualisierte Rate behandlungsbedürftiger Blutungsepisoden betrug im gesamten Analysekollektiv 0,00 und die modellbasierte geschätzte durchschnittliche annualisierte Gesamtrate behandlungsbedürftiger Blutungsepisoden betrug 0,89. Für das Per-Protokoll-Kollektiv (n = 73) errechneten sich diesbezüglich Raten von 0,0 bzw. 0,61. Die geschätzte durchschnittliche annualisierte Rate von Gelenkeinblutungen, von Spontanblutungen bzw. von traumatischen Blutungen betrugen 0,59, 0,16 bzw. 0,44 (Per-Protokoll-Analyse: 0,30, 0,16 bzw. 0,40). Insgesamt 47 Jungen (64 %) erlitten gar keine Blutungen, 65 (88 %) erlitten keine Spontanblutungen und 61 (82 %) erlitten keine Gelenkeinblutungen. 41 von 43 Blutungsereignissen (95 %) konnten mit einer Infusion Efanesoctocog alfa kontrolliert werden. Die pharmakokinetischen Analysen zeigten: Die erste Efanesoctocog alfa-Dosis gewährleistete über bis zu 3 Tage eine normale oder nahezu normale durchschnittliche Faktor-VIII-Aktivität (> 40 IU/dl). Eine durchschnittliche Faktor-VIII-Aktivität von mehr als 10 IU/dl bestand über 6,7 Tage. Die geometrische mittlere terminale Halbwertszeit des Wirkstoffs betrug den Berechnungen der Forschenden zufolge 40 Stunden.

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